Wer Odoo einführen will, steht früh vor einer Frage, die zunächst technisch klingt: Wo soll das System laufen? Zur Wahl stehen Odoo Online, die Plattform Odoo.sh und der Betrieb auf einem eigenen oder gemieteten Server. Alle drei Wege funktionieren. Sie unterscheiden sich aber deutlich darin, wie viel Freiheit Sie haben und wie viel Verantwortung bei Ihnen bleibt.
Die Entscheidung ist keine reine IT-Frage. Sie hängt davon ab, wie stark Sie Odoo an Ihre Abläufe anpassen wollen, wer sich um den Betrieb kümmert und wie Ihr Budget aufgebaut ist. Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick und eine Checkliste für das Gespräch im Team.
Odoo Online: Software aus der Cloud
Bei Odoo Online nutzen Sie Odoo als klassische Cloud-Software. Odoo selbst betreibt die Server, spielt Updates ein und sorgt für Datensicherungen. Sie melden sich im Browser an und arbeiten los. Eine eigene IT-Abteilung brauchen Sie dafür nicht.
Der Preis für diese Einfachheit ist eine eingeschränkte Anpassbarkeit. Auf Odoo Online können Sie keine eigenen Python-Module installieren. Möglich sind die Standard-Apps und, sofern Sie die Enterprise-Edition nutzen, Anpassungen mit Odoo Studio. Auch beim Zeitpunkt von Versionswechseln haben Sie weniger Spielraum als bei den anderen Varianten.
Odoo Online passt gut, wenn Ihre Prozesse nah am Standard liegen und Sie sich nicht um Technik kümmern möchten.
Odoo.sh: Plattform mit Entwicklungsumgebung
Odoo.sh ist die Hosting-Plattform von Odoo für Unternehmen, die mehr anpassen wollen. Sie setzt die Enterprise-Edition voraus. Odoo kümmert sich weiterhin um die Server, Sie erhalten aber deutlich mehr Freiheit.
- Es gibt getrennte Produktions-, Staging- und Entwicklungsumgebungen. Änderungen lassen sich mit einer Kopie der echten Daten testen, bevor sie live gehen.
- Der Code wird über Git verwaltet. Jede Änderung ist nachvollziehbar.
- Eigene Module und Module von Drittanbietern lassen sich installieren.
Odoo.sh ist sinnvoll, wenn Sie individuelle Erweiterungen planen, aber keinen eigenen Serverbetrieb aufbauen wollen. Für die Arbeit mit Git und Staging braucht es allerdings jemanden, der sich damit auskennt, intern oder extern.
Eigener Server: volle Kontrolle, volle Verantwortung
Odoo lässt sich auch auf einem eigenen Server im Haus oder bei einem Hosting-Anbieter Ihrer Wahl betreiben. Das ist mit der kostenlosen Community-Edition möglich und ebenso mit Enterprise, für die Sie dann eine Subscription benötigen. Was die beiden Editionen unterscheidet, lesen Sie im Artikel Odoo Community oder Enterprise.
Sie bestimmen hier selbst, wo die Daten liegen, welche Module laufen und wann aktualisiert wird. Gleichzeitig liegt die gesamte Verantwortung bei Ihnen:
- Einrichtung und Wartung von Betriebssystem, Datenbank und Webserver
- Regelmäßige Datensicherungen und getestete Wiederherstellung
- Sicherheitsupdates, Verschlüsselung und Überwachung
- Planung und Durchführung von Versionswechseln
Ein eigener Server lohnt sich vor allem, wenn bereits IT-Kompetenz vorhanden ist oder ein Dienstleister den Betrieb verlässlich übernimmt.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
- Anpassbarkeit: Odoo Online bietet Standard und Studio, Odoo.sh und eigener Server erlauben eigene Module.
- Betriebsaufwand: Bei Odoo Online am geringsten, beim eigenen Server am höchsten.
- Kontrolle über Updates: Bei Odoo Online am geringsten, beim eigenen Server am größten.
- Datenstandort: Beim eigenen Server frei wählbar, bei den Odoo-Angeboten abhängig von den angebotenen Rechenzentren.
- Edition: Odoo.sh setzt Enterprise voraus, ein eigener Server erlaubt auch Community.
Auch die Kosten verteilen sich unterschiedlich. Bei den Odoo-Angeboten zahlen Sie laufend für Hosting und Lizenzen. Beim eigenen Server kommen Kosten für Infrastruktur und Betreuung hinzu, die oft unterschätzt werden. Eine Einordnung finden Sie im Artikel Was kostet Odoo?
Checkliste für Ihre Entscheidung
Beantworten Sie im Team die folgenden Fragen. Die Antworten zeigen meist schnell, welche Variante infrage kommt.
- Reichen die Standardfunktionen für unsere Kernprozesse, oder brauchen wir eigene Erweiterungen?
- Gibt es intern jemanden, der sich um Server, Backups und Sicherheit kümmern kann?
- Wie wichtig ist es uns, den Zeitpunkt von Updates selbst zu bestimmen?
- Gibt es Vorgaben zum Speicherort der Daten, etwa von Kunden oder aus internen Richtlinien?
- Müssen Schnittstellen zu anderen Systemen angebunden werden, die eigene Module erfordern?
- Wie soll sich das System in den nächsten Jahren entwickeln?
Die Entscheidung ist nicht endgültig. Ein Umzug von Odoo Online zu Odoo.sh oder auf einen eigenen Server ist grundsätzlich machbar. Er kostet aber Zeit und sollte sorgfältig getestet werden. Es lohnt sich daher, die künftige Entwicklung von Anfang an mitzudenken.
Typische Fehler bei der Wahl
In der Praxis zeigt sich häufig, dass ein eigener Server gewählt wird, weil er auf den ersten Blick günstiger wirkt. Der laufende Aufwand für Wartung und Sicherheit wird dabei leicht übersehen. Umgekehrt starten manche Unternehmen mit Odoo Online und stellen später fest, dass eine wichtige Schnittstelle nur mit einem eigenen Modul umsetzbar ist. Beide Situationen lassen sich vermeiden, wenn Sie Anforderungen vor der Entscheidung sauber sammeln.
Sie sind unsicher, welche Variante für Ihre Anforderungen passt? joradix bespricht das gern mit Ihnen in einem kurzen, unverbindlichen Gespräch. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.